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Selbstverteidigung beginnt im Kopf und nicht mit dem ersten Schlag

Würzburg - Im Rahmen eines Workshops zur Stressbewältigung und Gewaltprävention in der Pflege nahm der Kurs 15/18 der Berufsfachschule für Altenpflege (BFA) der Stiftung Juliusspital an einem vierstündigen Seminar "Gewaltprävention" in der i-PENSA® Academy in Würzburg teil.

Organisiert hatte dieses Kai Walz, Fachlehrer für Berufskunde an der BFA. Seit 2014 unterrichtet er an der Berufsfachschule für Altenpflege dieses Thema. Bei seinem Unterricht kam auch nicht selten zur Sprache, dass sich gerade junge Schülerinnen oft mit der Gewalt von zu Pflegenden konfrontiert sehen, erzählt er.

Besonders betroffen war Walz von der Geschichte einer Schülerin, die von einem Patienten während dessen Reha massiv angegangen und im Badzimmer in eine Ecke gedrängt und bedrängt wurde. Das Mädchen wusste sich nicht aus der Situation zu befreien.

„Da erkannte ich, dass theoretische Grundlagen nicht ausreichen, sondern bei diesem Thema auch die praktische Unterstützung eines Profis vonnöten ist“, erklärt Walz. Bei seiner Suche fand der Lehrer die i-PENSA® Academy in Würzburg, deren Leiter, Mario Kühnlein, sich gleichzeitig in seiner Funktion als Polizist mit Gewaltübergriffen beschäftigt.

Mittlerweile fand der Workshop zur Stressbewältigung und Gewaltprävention in der Pflege schon zum dritten Mal statt und der Erfolg gibt Walz recht.

„Im ersten Jahr lag der Schwerpunkt auf problematische Situationen in der Pflege“, erklärt der Fachlehrer. Inzwischen greife Kühnlein aber auch immer wieder aktuelle Situationen auf, welche die Schüler beschäftigen – wie beispielsweise die Silvesternacht-Übergriffe in Köln. So entwickle sich das Seminar immer weiter, wobei der Fokus stets auf der Schärfung des „Gefahrenradars“ liege, damit Mann/Frau gar nicht erst in solche Situationen gerät.

Und das erzählen die Schülerinnen und Schüler des Kurses 15/18 über den Workshop:

„Als wir an der Selbstverteidigungsschule ankamen, wurden wir sehr nett und freundlich von unserem Trainer Mario Kühnlein empfangen. Er erzählte uns, dass er schon seit 35 Jahre Kampfsport betreibt und er dies auch in seinem Beruf als Polizist gut brauchen kann. Er ist für die taktische Ausbildung der Polizisten verantwortlich und beschäftigt sich momentan sehr mit Terrorismus.

Mario erklärte uns, dass wir alle Übungen mit Spaß machen sollen, jedoch dabei auf keinen Fall den ernst der Situationen vergessen dürfen. Jeder solle nur das machen, was er kann und will.

Das Aufwärmtraining begann damit, dass ein Ball hin und her geworfen wurde. Um das Ganze zu erschweren kamen ein zweiter und ein dritter Ball hinzu. Mario erklärte uns, wofür diese Übung gut ist: Es sei wichtig immer die Hände frei zu haben in der Selbstverteidigung.

Das nächste Thema war der sichere Stand. Hierzu übten wir mit verschiedenen Übungspartnern. Mario erklärte uns, dass der Kopf eine wichtige Steuereinheit bei der Selbstverteidigung ist. Wenn man den Angreifer am Kopf erwischt sei dies eine gute Methode um diesen zu irritieren. 70 Prozent der Täter stoppen ihren Angriff nämlich, wenn sie Gegenwehr spüren. Wird diese Gegenwehr stärker, lassen sogar 80 Prozent der Angreifer von ihrem potenziellen Opfer ab. Der Trainer beantwortete unsere Fragen und erklärte uns, wie man am besten das ein oder andere Problem lösen kann.

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Nach einer Zeit machten sich die ersten Muskeln bemerkt und es fiel uns nicht mehr ganz so einfach wie anfangs. Pausen zwischen den Übungen sind wichtig. Verschiedene Abwehrtechniken übten wir mit Pratzen. (Eine Pratze ist ein Schlagpolster, das im Kampfsport und in der Kampfkunst verwendet wird, um Schläge und Tritte zu trainieren) Diese Übungen wiederholten wir in verschiedenen Positionen. Jeder musste einmal in die passive und einmal in die aktive Rolle schlüpfen. Nach gut eineinhalb Stunden waren zwar noch alle voll motiviert aber die Anstrengung stand uns schon in den Gesichtern geschrieben. Mittlerweile gab es keinen mehr der nicht ins Schwitzen gekommen war. Einigen fiel es schwer ihre müden Knochen nochmal zu mobilisieren.

Bevor Mario alle in die wohlverdiente Pause schickte, wiederholte er noch einmal den Sinn der Übung in der Theorie. Danach machte erst mal mit Theorie weiter bevor es erneut „zur Sache“ ging. Jetzt mussten wir in verschiedenen Gruppen agieren. Dies sollte Gemeinschaft und Dynamik fördern und diente dazu, in einer Stresssituation nicht den Überblick zu verlieren.

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Bei allen Übungen steht aber der Ernst des Themas immer im Mittelpunkt. Der Trainer vermittelte sein über die Jahre erlerntes Wissen mit einer guten Mischung aus Spaß und Ernst. Er hatte viele gute Beispiele und beschrieb uns die Situationen sehr anschaulich.

So erklärte uns Mario, dass es wichtig ist, sich auf seinen Instinkt zu verlassen. Man sollte immer schauen, ob jemand zur Hilfe in der Nähe ist. Auch verdeutlichte er uns, dass Selbstverteidigung im Kopf beginnt und nicht mit dem ersten Schlag. Selbstverteidigung sollte zur Abwehr und nicht für den Angriff genutzt werden. Zum Schluss dankte Mario uns allen für die gute Mitarbeit. Er hofft aber, dass keiner von uns je in eine Situation kommt wo er oder sie das Erlernte anwenden muss.

Unser Fazit: Wir sind alle froh, dass wir das Angebot angenommen haben und fühlen uns jetzt alle etwas sicherer auf den Straßen!“

Kai Walz‘ Fazit ist, dass Gewalt und Prävention sich zwischen dem beruflichen und privaten Leben nicht unterscheidet und dass es wichtig ist, für jede Lebenssituation sich sein „Gefahrenradar“ bewusst zu machen um gar nicht erst in eine solche Situation zu kommen – und wenn doch, zu wissen, wie man sie meistern kann.

Schüler und Lehrer der Berufsfachschule für Altenpflege danken Mario Kühnlein von der i-PENSA® Academy in Würzburg für Theorie und Praxis und wertvolle Tipps im Umgang mit Gewaltprävention.

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