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„Leben mit Epilepsie – Perspektiven einer Erkrankung“

Hofheim/Würzburg - Einige Wochen hatten sich die Schüler der 11. Klasse der Berufsfachschulen für Altenpflege und Altenpflegehilfe (BFA) Hofheim in einem Projekt intensiv mit dem Thema „Leben mit Epilepsie – Perspektiven einer Erkrankung“ befasst, heraus kam eine Ausstellung, die Besucher und Geschäftstreibende in Hofheim gleichermaßen begeisterte und auch für das Thema sensibilisierte.

Ihre Darstellung „Kontrollverlust“ übergaben Schüler und Lehrer der Hofheimer Berufsfachschule nun an die Juliusspital Epilepsieberatung Unterfranken, deren Mitarbeiterin Henrike Staab-Kupke das Projekt in Hofheim initiiert und Schüler und Lehrer maßgeblich bei dessen Umsetzung unterstützt hatte.

Doch der Reihe nach: Im Herbst 2016 unterrichtete Staab-Kupke in der Altenpflegeschule, das Thema: Epilepsie. Daraus entstand die Idee für das Projekt „Leben mit Epilepsie“, das vom 30. Mai bis 3. Juli in Hofheim lief und dessen Resonanz alle Beteiligten überraschte.

Unabhängig davon hatten sich Betroffene und Angehörige in einem Fotoworkshop mit dem Thema Epilepsie auseinandergesetzt. Herausgekommen waren dabei viele beeindruckende Bilder, die eine Krankheit thematisieren, über die sonst selten gesprochen wird. Auf diesen Fotos bauten die Altenpflegeschüler ihre Ausstellung auf.

Intensiv beschäftigten sich die Schüler sich mit dem Thema, entwarfen Tafeln, auf denen sie unter anderem über die Entstehung von Epilepsie, Anfallsformen, die Behandlung der Krankheit und auch darüber informierten, dass es einfach ist, bei einem epileptischen Anfall Hilfe zu leisten. Und da rund ein Prozent der Bevölkerung an dieser Krankheit leidet, ist die Wahrscheinlichkeit, Zeuge eines Anfalls zu werden, gar nicht so gering.

„Die Herausforderung bei den Tafeln war, das Thema kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen“, erklärt die Altenpflegeschülerin Corinna Kohl. Daneben interviewten die Schüler Passanten in der Hofheim zum Thema mit verblüffenden Ergebnissen. „Nur wenige wussten, wie man Erste Hilfe leistet bei einem Anfall“, sagt Kohl. Auch interessant für die Schüler war die Schilderung einer Mutter eines inzwischen 18 Jahre alten, epilepsiekranken Sohnes, der mit zehn Jahren seinen ersten Anfall hatte. „In diese Gefühlswelt hineinschauen zu können, das war für uns Außenstehende sehr interessant“, erklärt Kohl. „Die Angst der Mutter um ihr Kind und die Selbstverständlichkeit, mit der ihr Sohn mit der Krankheit lebt.“

Auch erfuhren die Schüler, dass es für den Betroffenen selbst gar nicht so schlimm ist, wie man als Außenstehender einen Anfall erlebt. „Der Betroffene selbst bekommt vom Anfall gar nicht so viel mit, ist nur hinterher sehr, sehr müde“, erklärt Kohl. Ihr Fazit ist ganz klar: „Das Projekt hilft uns in unserem Beruf als Altenpfleger auf jeden Fall und wir haben gelernt, dass Epileptiker ein ganz normales Leben ohne Einschränkungen leben können, das ist gut.“

Für die optimalen Rahmenbedingungen bei allen Projektbeteiligten und Ausstellern sorgte Anna Weinbeer, die Theorie und Fachpraxis an der BFA unterrichtet. Von ihr stammt auch die originelle Idee, die Projektarbeiten in Hofheim in sieben Geschäften am Marktplatz, in der Hauptstraße und in der Grünen Marktstraße auszustellen und so das Thema direkt in den Lebensalltag der Menschen in Hofheim zu bringen.

Start war in der Touristinformation. Den „roten Faden“ spannten rot angemalte Dachlatten. Diese bauten die Schüler zu verschieden großen Staffeleien für die Fotos und Infotafeln zusammen. In jedem Geschäft gab es solche roten Konstruktionen die aufmerksam machten und den Betrachter auch ein Stückweit führten.

Die größte Konstruktion stand in der Touristinformation wo das Projekt auch ausführlicher beschrieben war. Sie heißt „Kontrollverlust“ und zeigt, was passiert, wenn der Betroffene bei einem Anfall die Kontrolle verliert, erklär Corinna Kohl. Rote, grüne und blaue Männchen hängen locker an Drahtfedern. Zieht man daran, geraten sie „außer Kontrolle“. Damit zeigen die Schüler eindrucksvoll, wie hilflos sich ein Betroffener bei einem Anfall fühlen muss. „Die Männchen haben wir aus Kartonrollen und Teilen eines Gartenschlauches gebastelt und farbig angemalt“, sagt Kohl. Unterstützt wurden sie dabei von Katharina Kraus. „Ich bin für das Kreative zuständig“, lacht die Lehrerin für Lebenszeit- und Lebensraumgestaltung. Und dass ihr das Projekt sichtlich Spaß gemacht hat, sieht man an der Umsetzung.

Henrike Staab-Kupke, die das Thema ja angestoßen hatte, ist mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. Eine Herausforderung sei gewesen, den Schülern zu vermitteln, dass nicht jedes Fitzelchen Information auch auf den Tafeln stehen müsse, sagt die Sozialpädagogin der Juliusspital Epilepsieberatung Unterfranken. „Die Frage ist, was will ich den Menschen, die sich mit dem Thema noch nicht befasst haben, vermitteln“, sagt sie. Und diese muss dann „in maximal zehn Sekunden kurz und prägnant auf den Punkt gebracht werden“.

Anna Weinbeer lobte das methodisch-didaktisches Geschick der Sozialpädagogin aus dem Juliusspital. „Die Schüler haben sich für das Thema sehr interessiert und sich mit ihrer Arbeit identifiziert.“ Das Projekt bestätigte allen Beteiligten wie wichtig für eine komplexe Berufswelt Synergieeffekte einer fachübergreifenden Zusammenarbeit sind, sagt Weinbeer. „Wir als Schulgemeinschaft haben erlebt: Erfolg schweißt zusammen!“

Die Ausstellung kam nämlich so gut an, dass sie auf Wunsch von Besuchern und Geschäftsleuten sogar eine Woche länger lief. Und wenn es nach dem Willen der Verantwortlichen in Hofheim geht, wird die Ausstellung auch kein Einzelprojekt bleiben, sondern soll auch auf „Wanderschaft“ gehen, so zumindest wünscht es sich Siegmund Klug, der Leiter der Berufsfachschulen für Altenpflege und Altenpflegehilfe (BFA) Hofheim. Sein Lob geht an alle Beteiligten: „So ein außergewöhnliches Projekt braucht engagierte Schüler und Mitarbeiter und die hatten wir alle im Boot.“